Das hinterconti ist ein Zusammenschluss Hamburger Kunst- oder Kulturschaffender. Als eingetragener Verein organisiert es seit 2000 wöchentlich wechselnde Ausstellungen Hamburger und internationaler Künstler.
Der Schwerpunkt der Ausstellungen und Projekte liegt nicht dabei auf der Repräsentation einer bestimmten künstlerischen Position, sondern vielmehr darin im weitesten Sinne künstlerische Praxen und Produktionsprozesse ein Forum zu bieten. Wir geben verschiedenen künstlerischen Arbeitsweisen den Raum Ideen umzusetzen, Fragestellungen zu skizzieren oder noch im Prozess befindliche Arbeiten öffentlich zu zeigen und zu diskutieren, die im gewöhnlichen Kunstmarkt- und Ausstellungskontext nicht unbedingt zu finden sind.
Ana Angelosvka, Nikolai Hartmann, Hannah Kowalski, Moki, Stefan Mildenberg, Veit Rogge, Michael Thomas, Lily Wittenburg, Ini, Martin Wojciechowski, Arne Zank
Am 31. August 2010 brach unser siebenköpfiges Expeditionsteam auf, um per Fahrrad, Zug und Fähre die Ostsee zu überqueren. Unsere Mission war zuvor klar umrissen: An der Küste von Südschweden wollten wir landen, um von hier aus den langen, beschwerlichen Weg gen Stockholm anzutreten. In der königlichen Haupststadt sollte ein Ort namens Detroit aufgesucht werden, um dort die eigene Ausstellungspraxis des Hinterconti zu reflektieren und zu dokumentieren. Doch es kam anders. Wir waren woanders! Statt weiter nach Norden zu ziehen, teilten wir die Strecke Hamburg und Stockholm in zwei Hälften. Ein gedankliches Spiel, das uns in die beschauliche Siedlung Höllviken unweit von Malmö führen sollte. Für eine Woche liessen wir uns an diesem beschaulichen Ort, fernab von jeglicher kultureller Betriebsamkeit – ausser einem Bernsteinmuseum gab es hier nichts zu besichtigen – nieder. Mitglieder der Galerie Detroit wurden eingeladen. Zudem wurde unsere Gruppe von Katrin Hanusch begleitet, die gemeinsam mit befreundeten Künstlern in Halle den Ausstellungsraum dieschönestadt betreibt.
Als Unterkunft und Arbeitsraum diente uns nunmehr ein privates schwedisches Sommerhaus, das selbst fast einem Museum glich: Möbilar, Kleidung, familäre Fotos aus mehreren Familiengenerationen, die hier ihre Zeit verbracht hatten. Auf unseren Erkundigungen in die unmittelbare Umgebung brachten wir Dinge mit, die wir am Wegesrand fanden oder die an den Strand gespült wurden. Fotografien dokumentierten das Szenario: Material, das für eine weiterführende Zusammenarbeit gemeinsam mit derschönenstadt in Halle als auch in Hamburg dienen soll. Ein “Wir sind woanders”, das uns hinfort führte von den üblichen, bereits bekannten Strukturen, mit denen wir für gewöhnlich verwoben sind. Eine Erkundigung eines stillen, anderen Ortes: eine Flucht in ein tatsächliches – oder sagen wir besser: anderes Off, das ausserhalb der gängigen künstlerischen Plätze, Räume und Kontexte von uns erst verortet und bestimmt werden musste. Einer Utopie der freundlichen Verweigerung, die im gemeinschaftlichen Ritual beschworen und produktiv manifestiert werden konnte und dabei stets freudig Gefahr laufen konnte, im nächsten Moment wieder verworfen zu werden. Self-Coaching mit dem Potential eines möglichen Scheiterns. Eine konkrete magische Illusion ohne doppelten Boden und unsichtbare Fäden.