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Kollateralnachrichten:

Neubesetzung Vorwerkstift

STADTPLANUNG: Künstler erobern das Gängeviertel



Meldung vom 16. März 2010

KünstlerInnen kaserniert, soziale Frage gelöst?

In der vergangenen Woche mussten die KünstlerInnen des Frappant e.V. das Gebäude Frappant verlassen, um in die teilweise leer stehende Viktoria-Kaserne umzuziehen – die vom Bezirk geschaffenen Sachzwänge und der öffentliche Druck im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Ikea ließen ihnen kaum eine andere Wahl.

Jahrelang wurde das Frappant-Gebäude beheizt, im Winter 09/10 war das nicht mehr gewollt. Dass die KünstlerInnen trotz klirrender Kälte monatelang in dem Gebäude ausharrten und Ausstellungen und Kulturpartys veranstalteten, ist ihnen hoch anzurechnen. Sie blieben, bis ihnen das Wasser aus den geplatzten Rohren wortwörtlich bis zum Hals stieg. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als nach dem „Strohhalm“ Viktoria-Kaserne zu greifen, auch wenn sie sich so als künstlerische Verschiebemasse in die Hand der Stadt begeben. Die KünstlerInnen haben ihre Funktion als Zwischennutzer in der Großen Berg - straße erfüllt, nun können sie gehen, um der nächsten Phase der Aufwertung Platz zu schaffen.

Verschiebebahnhof Altona

Der Umzug in die Viktoria Kaserne ist wiederum nur auf eine Zwischennutzung ausgelegt. Die Räume sind wenig für die Aufgabe von Kunst, öffentlich zu sein, geschaffen, der Mietvertrag auf 12 Monate begrenzt. Die sozialen Projekte, die sich für die Viktoria-Kaserne beworben haben – eine Alten-WG, betreutes Wohnen, Hospizplätze, Suchthilfevereine und eine Stadtteilschule – müssen nun wiederum ein Jahr auf die Umsetzung ihrer Projekte warten. Hier wird das Problem nur zeitlich und räumlich verschoben. Nach Ablauf des Jahres können die Künstler eventuell im Kulturbahnhof Quartier nehmen, um das auf dem Bahnhofsge - lände geplante Neubauviertel in Zukunft „kreativ aufzuwerten“.

Die gesellschaftliche Aufgabe von Kunst ist nicht die Schmückung und Verhüllung von Profitinteressen, der Enteignung von Allgemeineigentum. Demokratische Gesellschaften brauchen freie, außerhalb ökonomischer Zusammenhänge wirkende Kunst als reflexives Instrument.

Vom Goethe-Platz zum Ikea-Platz?

Das Problem der Ikea-Ansiedlung ist nicht losgelöst zu betrachten von den sozialen Bedingungen in diesem Stadtteil. Stadtentwicklung darf nicht in die Hände multinationaler Konzerne als „Allheilsbringer“ gegeben werden, die einer umfassenden Privatisierung öffentlichen Grunds Vorschub leisten. Wir fordern nach wie vor die Errichtung eines Stadtteilzentrums, den Bau von Sozialwohnungen, die den Menschen vom Senat versprochen wurden, die Ansiedlung von Stadtteil-orientiertem Kleingewerbe und Einzelhandel zu dauerhaft günstigen Mieten. Dazu braucht es Zeit – Zeit um fundierte und gleichberechtigte Perspektiven und Handlungsstrukturen zu entwickeln. Wir fordern einen sofortigen Planungs- und Baustopp für alle Maßnahmen und Vorhaben im Bereich des Masterplan Altona, das schließt alle Planungen auf dem Bahnge - lände, den Volkspark, den Autobahndeckel und die Planungen eines Luxusstandorts in Bahrenfeld mit ein!

AnwohnerInnen Initiative Kein Ikea in Altona!

 

Ikea stoppen!
Bürgerbegehren für's Frappant / Altona

Donnerstag, 6. August 2009
Große Bergstraße 172, 22767 Hamburg

www.frappant.org

Nun ist es klar: Das Frappant-Gebäude in der neuen großen Bergstraße ist an Ikea verkauft worden. Ikea plant mitten in Altona-Altstadt ein neues Kaufhaus in den Dimensionen der bereits bestehenden Häuser in Schnelsen und Moorfleet.

Auf 7-8 Etagen werden bei einer Gesamtfläche von 50 000 m² und einer Verkaufsfläche von 25 000 m² nach vorsichtigen Schätzungen von Ikea 10 000 BesucherInnen pro Tag erwartet.

www.kein-ikea-in-Altona.de

Was bedeutet es wenn Ikea kommt?

* Das Gebäude, das lange leer stand, wird inzwischen von über 130 KünstlerInnen und anderen Kulturschaffenden genutzt. Leute, die sich andere Räume nicht leisten können oder die aus ihren bisherigen Räumen vertrieben werden können hier ihre Projekte verwirklichen. Im Hafenklang-Exil finden regelmäßig unkommerzielle Parties und Konzerte statt. Dieser Raum für unkommerzielle Kultur soll jetzt abgerissen werden, und durch ein gigantisches Möbelkaufhaus ersetzt werden.

* Mit Ikea kommt der Verkehr. Die große Mehrheit der KundInnen wird mit dem Auto kommen, um die Möbel selber nach Hause transportieren zu können. Sehr wahrscheinlich ist, dass ein Autobahnzubringer durch Altona gebaut wird, um das riesige Verkehrsvolumen bewältigen zu können.

* Ein Blick auf die Schanze, Ottensen, St.Pauli und St. Georg reicht, um zu wissen, was gemeint ist, wenn BezirkspolitikerInnen frohlocken, weil die Neue Große Bergstraße „belebt“ wird. Derzeit erleben wir wie zentral gelegen Stadtteile in dem Sinne aufgewertet werden, dass immer mehr zahlungskräftige Klientel hineinströmt. Mit Luxussanierungen und teilweise ins astronomische steigenden Mieten werden die alten AnwohnerInnen vertrieben. Ein riesiges Ikea-Kaufhaus kann zum Motor werden, mit dem dieser Prozess auch in in Altona-Altstadt massiv vorangetrieben wird. Eine vielgenutzte Einkaufsstraße mitten im Viertel wird sich direkt auf alle umliegenden Straßen in dem Sinne auswirken, dass die Mieten steigen. Diese Entwicklung ist vom Senat gewollt für den die innenstadtnahen Altbauviertel einen „weichen Standortfaktor“ im globalen Wettbewerb darstellen.

Deshalb müssen wir Ikea verhindern! Noch ist kein Stein vom Frappant-Gebäude abgerissen. Dabei kann es nicht nur um das eine Gebäude gehen. Es muss darum gehen der Vertreibungspolitik des Senats grundsätzlich etwas entgegenzuhalten. Ein Verbot von Mieterhöhungen, soziale Erhaltensverodnungen (d.h. Das Verbot der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen) und der Bau von Sozialwohnungen sind ebenso Forderungen, die in dem Zusammenhang auf die Straße getragen werden müssen.



"Wir sind woanders" ist ein Veranstaltungsformat des Verbands
Aktuelle Kunst Hamburg | Konferenz der freien Kunstorte und -Initiativen

Gefördert von der Behörde für Kultur, Sport und Medien Hamburg (BKSM)
 

Die "kreative Klasse" Hamburg

ZDF Aspekte am 6.11.2009
Antrag auf politische Zuwendung (2.11.2009)



Offener Brief des AKHH
Presseerklärung (PDF)