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  Editorial

‘Verstehen löst Unverständliches auf, das Unverständliche wiederum dem Verständlichen den Sinn.’ An der Schnittstelle dieser Paradoxie entsteht Fortschritt. Die Projekte der freien Kunstszene sind Entwicklungslabore dieses Fortschritts, forcieren die Erweiterung von Begriffen und Begriffenem. Bevorzugt wird mit offenen Formen und mit Prinzipien des Spiels gearbeitet.

Spiel und Experiment sind Schule intellektuellen und emotionalen Verhaltens. Möglichkeiten zukünftiger Existenz und gesellschaftlichen Handelns werden im Hinblick auf allgemeine Fragestellungen - wie Konflikt und Kooperation - erprobt, Denkmodelle getestet. Situationen, Szenarien, Simulationen sind die Handlungsfelder nichtkommerzieller Kunstorte.

Die Off-Kultur erfindet ihr eigenes Regelwerk stets neu, sie ist wandlungsfähig und dynamisch. Ihre Institutionen sind parallel gewachsen und trotz ihrer zahlreichen Erscheinungsformen sind die Zielsetzungen ähnlich: Die Suche nach Veränderung, eine ausgeprägte Aversion gegen Vereinnahmung und der Wunsch ihrer Protagonisten, nicht isoliert, sondern sozial vernetzt zu arbeiten. Die Überfülle an Parallellinien - die sich verzwirbeln und verdrehen - wächst jedoch zu einem belastbaren Seil zusammen.

Sie als Publikum sollten den Willen mitbringen, sich auf Ungewöhnliches einzulassen. Mit unserer Ausstellungsreihe bekommen Sie ein Bild von Europa, das seinen kulturellen Reichtum und seine Vitalität andeutet.

Wir freuen uns auf ein aktives Publikum.
Ihre Teilhabe macht das Festival vollständig.

Móka Farkas (Projektleitung)



   
  Projektbeschreibung

Einführung

In Hamburg gibt es zahlreiche Einrichtungen und Initiativen aus dem Bereich der bildenden Kunst. Die sogenannten freien Hamburger Kunstorte weisen in ihren Ansätzen, Arbeitsweisen, Organisationsstrukturen und den dargebotenen Inhalten enorme Unterschiede auf. WIR SIND WOANDERS#2 zeigt als öffentliche Intervention die Arbeit der Kunstorte in Form eines vierwöchigen Festivals.

Im November 2006 fand das erste Symposion mit dem Titel WIR SIND WOANDERS#1 statt. Schwerpunkt dieser Veranstaltung bildete die kultur- und gesellschaftspolitische Verortung der Szene. Auf einem abschließenden dreitägigen Kongress wurden Fragen der gesellschaftlichen Kontextualisierung erläutert. Ein von den Kunstorten gestaltetes Rahmenprogramm begleitete das Symposion.

Europäische Vernetzung

Anknüpfend an diese Ergebnisse liegt im Jahre 2007 die Betonung des Projekts auf einem nationalen und internationalen / europaweiten Städtevergleich. Eine Kartografie der freien Kunst- und Kulturinitiativen – verbunden mit Berichten über deren Produktionsweisen und "Überlebens-techniken" – entsteht. Am internationalen Symposion 2007 nehmen 22 Hamburger Kunstorte teil, die über die ganze Stadt verstreut sind. In Form eines vierwöchigen Parcours durch die Kunstorte wird das existierende Angebot im Stadtbild aufgezeigt.

Das Festival

Die Kunstorte wählten für das Festival WIR SIND WOANDERS #2 je eine Partnerstadt und von dort einen Artist-run Space, der der Arbeitsweise der Hamburger Kunstorte verwandt ist und diese wiederspiegelt. Die eingeladenen Artist-run Spaces senden einen Vertreter und ausgewählte Künstler aus dem eigenen Netzwerk nach Hamburg. Die Ausstellungen beleuchten exemplarisch einen charakteristischen Aspekt der künstlerischen Produktion, die Führungenam Fokustag heben die Besonderheiten der eingeladenen Partnerstadt und ihrer freien Szene hervor.

Das Festivalprogramm ist in Fokustage aufgeteilt, an den vier Oktoberwochenenden finden pro Abend 2 Führungenstatt. An je zwei Kunstorten werden verwandte Themen auf unterschiedliche Weise präsentiert. Vom Festivalzentrum in der Großen Bergstraße aus fahren Shuttles zu den jeweiligen Kunstorten.

Sonntag nachmittags ist das Festivalzentrum der Treffpunkt. Nach Kaffee und Kuchen finden dort bis in den frühen Abend hinein Vorträge und Diskussionen statt, diesich mit aktuellen Themen der Kunstproduktion beschäftigen.