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Die Notwendigkeit kultureller Grundlagenforschung

In Zeiten, in denen die Stadt Hamburg sich als „Marke“ im Wettbewerb mit anderen deutschen und internationalen Städten zu etablieren versucht, gewinnt besonders das kulturelle Leben an Bedeutung.

Mit viel Einsatz werden „Leuchtturmprojekte“ wie die Elbphilharmonie gefördert. Daneben besinnt sich die Stadt auf ihre „pulsierenden Szenen“. Wo früher einstige Problemviertel attraktiv wurden, weil die schon sprichwörtlichen Künstler und Studenten sich als Vorhut des bürgerlichen Mittelstands (wegen günstiger Mieten) neue Lebensräume eroberten, sind derlei Vorgänge heute gezielte Maßnahmen öffentlicher Stadtplanung. Anderswo werden die „Kulturwirtschaft“ propagiert und Kreativität – künstlerische Kardinaltugend – als Vorbild für nahezu alle Lebensbereiche, insbesondere des Wirtschaftslebens, herangezogen. Man hat den „Wert“ der Künstlerinnen und Künstler erkannt und weiß, sie für sich einzusetzen. Wer sich derart vehement auf das Vorbild künstlerischen Lebens und Arbeitens beruft, steht in der Pflicht, dieses ebenso vehement zu fördern.

Gleichzeitig ist es Politik des Hamburger Senats, sich – flankiert durch oft nur verbale Unterstützung von Eigeninitiative und bürgerschaftlichem Engagement – finanzieller (Kultur-) Förderung zu entziehen. Vor dem Hintergrund von existenzbedrohenden Mittelkürzungen haben sich 2005 etwa 30 Hamburger freie Kunsteinrichtungen (vom Archiv über Künstlerhäuser bis zu selbstverwalteten Galerien) zusammengefunden.

WIR SIND WOANDERS #2 ist wie WIR SIND WOANDERS #1 im vergangenen Jahr ein Ergebnis dieser gemeinschaftlichen Kooperation. (Ganz im Sinne der Senatspolitik durch Unterstützung der Kultursenatorin gefördert von einem anonymen Mäzen.) Die Artist-run Spaces – von Künstlerinnen und Künstlern organisierte Ausstellungs- und Arbeitsräume – machen sich in diesem Rahmen als unverzichtbare Elemente des Hamburger Kulturlebens sichtbar. Mit Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionen beziehen sie Stellung im städtischen Diskurs. Sie zeigen Kunst als zunächst zweckfreies Experimentierfeld für gesellschaftliche Innovation.

Neben der Schaffung verkäuflicher Werte für Galerien oder repräsentabler Werke für Museen hat sich mit der Off-Kunstszene eine dritte Säule des Kunstschaffens etabliert. Hier wird die künstlerische und kulturelle Grundlagenforschung betrieben, aus der Galerien, Museen, Wirtschaft und Politik täglich schöpfen.

Besuchen Sie uns, betrachten Sie Ergebnisse dieser Arbeit und diskutieren Sie mit uns darüber.